Aufstieg und Fall des C64

Jürgen Bergmann | 15 Mar 2017

Aufstieg und Fall des C64Der Commodore 64, oder kurz C64, hält den Weltrekord für das am meisten verkaufte individuelle Computersystem aller Zeiten. Der Rechner dominierte den PC-Markt für den Großteil der 1980er Jahre und selbst heute ist die Marke noch allseits bekannt.

Es gab ein Reihe von Faktoren, die zum Erfolg des C64 beitrugen, wie auch einige Gründe, die dafür sorgten, dass er recht unvermittelt vom Markt verschwand. Heute wird er noch von einigen Computer-Enthusiasten genutzt, welche die Klassiker zu schätzen wissen; und jeder, der eine kompatible Videospielkonsole oder einen modernen PC besitzt, kann C64-Programme mit Hilfe eines C64-Emulators nutzen. Das mag zwar nicht für alle Computerspieler das Richtige sein, aber für alle, die einem etwas traditionelleren Ansatz etwas abgewinnen können, ist es ideal.

Retro- und Old-School-Gaming haben unglaublich an Beliebtheit gewonnen und egal ob die Spieler auf dem Nintendo Game Boy, Atari-Konsolen oder einfach nur klassische Spielautomaten und andere traditionellere Casinospiele im Netz spielen, es existiert eine enorme Nachfrage nach Unterhaltung, die nostalgische Gefühle hervorruft.

Das rasche Wachstum einer Legende

Der polnische Immigrant und Auschwitz-Überlebende Jack Tramiel hatte schon einige Jahre in New York gelebt und ein Unternehmen für die Reparatur von Schreibmaschinen betrieben, als er einen Vertrag für die Herstellung der Designs einer tschechoslowakischen Firma in Kanada abschließen konnte und nach Toronto zog. Die erste Inkarnation seiner Firma war die Commodore Portable Typewriter Company.

Innerhalb weniger Jahre wurde die Firma in Commodore Business Machines, Inc. umbenannt und wandte sich Addiermaschinen und dann Taschenrechnern zu. Durch die Konkurrenz von Texas Instruments unter Druck gesetzt, die zunächst der Hauptzulieferer für Taschenrechnerbauteile gewesen waren, aber dann direkt auf dem Markt mitmischten, kam Tramiel zu dem Schluss, dass er eine unabhängige Quelle für Computerchips benötigte. Zu diesem Zweck kaufte er 1976 MOS Technology und andere Chip-Zweitlieferanten auf.

Commodore 64Chuck Peddle, vormals bei MOS Technology, übernahm die Rolle des Commodore-Chefentwicklers und überzeugte Tramiel davon, dass die Firma sich den Heimcomputern zuwenden solle. Der erste Rechner war der Commodore Personal Electronic Transactor, kurz PET, von 1977. Dieses System kam gut in Schulen an, da es stabil gebaut war und die Fähigkeit besaß, Laufwerke und Drucker über ein Local Area Network zu teilen, aber in Privathaushalten, wo gute Grafik und Sound gefragt waren, blieb der Erfolg aus.

1978  entwickelten MOS Technology den Video Interface Chip, kurz VIC,  der die Verwendung eines Farbmonitors oder Fernsehers ermöglichte. Tramiel, der seine früheren Schwierigkeiten nicht vergessen hatte, war davon überzeugt, dass er etwas Preiswerteres auf dem Markt haben musste, bevor die Japaner nachziehen würden. Auf der Consumer Electronics Show 1981 wurde dann der VIC-20 vorgestellt, dessen Nachfolger der C64 sein sollte. Dieser wurde auf der Consumer Electronics Show des darauffolgenden Jahres, nämlich 1982, vorgestellt, und das zu einem Ladenpreis von lediglich 595,00 US$.

Der Schlüssel zum Erfolg

Einer der wichtigsten Gründe für den Erfolg des C64 war, dass er weitaus billiger als seine Konkurrenzprodukte war; der zur selben Zeit erhältliche Apple II kostete beispielsweise um die 1.200,00 US$. Möglich wurde das durch die sogenannte Vertikale Integration, bei der eine Firma ihre eigene Lieferkette besitzt. Dank Tramiels scharfsinnigen Aufkaufs von Halbleiterherstellern kostete ein C64 in der Herstellung nur 135,00 US$, wodurch Commodore es sich leisten konnte, ihn äußerst preiswert zu verkaufen. Manche haben den C64 sogar mit dem Ford Model T verglichen, was den Aufbau einer kreativen und günstigen Massenproduktion angeht, die eine neue Technologie für Mittelschichthaushalte erschwinglich machte.

Ein anderer wesentlicher Faktor für die Allgegenwart des C64 war die Tatsache, dass der Rechner schlicht so gut wie überall zu haben war. Anstatt sich auf Elektronik- und Spezialgeschäfte zu beschränken, konnte er auch in vielen anderen Geschäften gekauft werden. Außerdem startete Commodore eine aggressive Tauschkampagne, bei der jeder Kunde, der einen C64 kaufte, 100,00 US$ für ein ein beliebiges Videospiel oder einen beliebigen Computer erhielt, den er mitbrachte.

Nicht zuletzt hatte der C64 seinen Namen natürlich bekommen, weil er 64 Kilobyte Speicher hatte, anstatt der 48, die andere Rechner zu bieten hatten. All diese Punkte wurden in den Werbekampagnen für den C64 immer wieder betont, was sich als sehr effektive Strategie zur Überzeugung der Verbraucher erwies.