Belgien setzt iGaming-Betreibern gesetzliche Grenzen

Jürgen Bergmann | 17 November 2017

Belgien setzt iGaming-Betreibern gesetzliche GrenzenBelgien hat einige der strengsten Glücksspielgesetze des europäischen Kontinents, und so ist es keine große Überraschung, dass das Land sich wieder einmal mit einem Problem auseinandersetzen muss, das mit Casinos zu tun hat. Diese Woche verbreiteten die belgischen Medien fleißig Meldungen über eine aktuelle Entscheidung des belgischen Verfassungsgerichts gegen die belgische Kommission für Glücksspiele (BGC). Das Urteil lautete, dass die BGC nicht befugt sei, eine Glücksspiellizenz an einen Online-Betreiber auszustellen, der mehr als eine Art von Glücksspielprodukten unter derselben Webseite oder URL anbietet.

Gegen die ursprünglich von der BGC ausgestellten Lizenzen hatte niemand anderes als Rocoluc NV geklagt, ein Betreiber herkömmlicher Glücksspielstätten. Rocoluc zufolge – das Unternehmen bietet via Casinobelgium auch Online-Spiele an – erlauben es Glücksspiellizenzen für traditionelle Glücksspielstätten den Betreibern nicht, mehr als ein Glücksspielprodukt unter einem Dach anzubieten. Daher solle diese Regeln ebenfalls befolgen. Das Anliegen ist nachvollziehbar, und das Verfassungsgericht entschied letztendlich in Rocolucs Sinne.

Es ist nicht das erste Mal, dass da Unternehmen die Gerichte zu seinem eigenen Vorteil bemüht hat. Anfang dieses Jahres reichte Rocoluc eine Klage gegen Ladbrokes Monopol auf in seinen traditionellen Wettbüros in Belgien ausgerichtete virtuelle Sportwetten ein. Die Richter entschieden zugunsten Rocolucs, wodurch Ladbrokes sich gezwungen sah, seine virtuellen Wettprodukte aus seinen Wettbüros im Land zu entfernen.

Das Urteil wird weitreichende Folgen haben

Was Ladbrokes jedoch nicht tat, war seine Plattform für virtuelle Sportwetten von seiner in Belgien lizenzierten Wettseite zu nehmen. Dadurch sah sich Rocoluc dazu veranlasst, die Regierung auf eine halbe Million Schadensersatz zu verklagen. Bisher hat das BGC das Verfassungsgerichtsurteil nicht kommentiert. Ficht die Kommission die Entscheidung nicht an, werden in Belgien ansässige Online-Glücksspielbetreiber separate Lizenzen für jedes einzelne Produkt neu beantragen müssen, das sie auf ihrer Seite anbieten, ein Unterfangen, das für die Online-Glücksspielbranche kostspielig und schädlich sein könnte.

Das Urteil wird landesweite Auswirkungen auf die Branche haben, da viele Webseiten ihr Spielangebot anpassen müssen. Betreiber müssen nicht nur für verschiedene Produkte unterschiedliche Domains erwerben, sondern auch für jedes angebotene Produkt neue Glücksspiellizenzen beantragen. Dies wird für Online-Glücksspielbetreiber ohne Zweifel in einer Verteuerung resultieren und sich als mühselig und zeitaufwendig erweisen.

Während in Belgien vermehrt gespielt wird, hat es nach wie vor einige der restriktivsten Gesetze zur Regulierung der Branche, und diese werden nur noch strenger. Letzten Monat stimmte der Gesetzgeber Plänen zu, pauschal sämtliche Fernsehwerbung für Glücksspiele während Live-Sportveranstaltungen zu verbieten. Auch wurde überlegt, Affiliate Marketing für Online-Glücksspiele gleich gänzlich abzuschaffen.

Quellenlinks: https://www.casinolistings.com/news/2017/11/belgium-limits-operators-one-betting-product-per-url