Werden Deutschlands neue Glücksspielreformen den Markt verändern?

Jürgen Bergmann | 12 Januar 2017

 Deutschlands MarktDer Onlinecasino-Markt in Deutschland ist eine Quelle ungenutzten Potentials, und neue neue Vorschriften könnten der erste Schritt dazu sein, vollen Zugang zu ihm zu erhalten. So hoffen die Ministerpräsidenten Deutschlands, die sich gerade auf eine Reihe von Revisionen bei Deutschlands überholten Glücksspielgesetzen geeinigt haben.

Der schwarze und graue Casinomarkt in Deutschland hat einen Jahresumsatz von schätzungsweise 888 Millionen Euro, also gibt es definitiv eine Zielgruppe für regulierte, seriöse Online- und Mobilcasinos. Die Frage ist nun, wie dies ausgehandelt und gehandhabt wird.

Der Erste Glücksspielländerstaatsvertrag

Das gerade erzielte Abkommen bildet den Zweiten Glücksspielländerstaatsvertrag und ist eine Neufassung des 2012 in Kraft getretenen Ersten Glücksspielländerstaatsvertrags. Jener Vertrag was als Experiment bei der Regulierung von Onlinewetten vorgesehen, litt aber unter Kritik und Problemen.

Nur 20 Sportwetten-Lizenzen sollten erteilt werden. Sportwettenanbieter, die sich beworben hatten und abgelehnt worden waren, fochten die Rechtmäßigkeit des Lizenzierungsverfahrens an, und der Europäische Gerichtshof kam zu dem Urteil, dass es nicht mit EU-Recht vereinbar war. Somit konnten unlizenzierten Anbietern kein Strafen auferlegt werden und die 20 Lizenzen wurden nie erteilt. Seitdem befanden sich Sportwetten in Deutschland in der Schwebe.

Der Zweite Länderstaatsvertrag

Der neue Vertrag ist ein Versuch, die Fehler des ersten zu beheben und Lizenzen auf Grundlage der Qualität statt der Anzahl zu erteilen. So lange Betreiber bestimmte Kriterien wie etwa Maßnahmen gegen Geldwäsche, angemessenen Spielerschutz und exakte Einhaltung technischer Standards erfüllen, erhalten sie eine Lizenz.

Der Zweite Länderstaatsvertrag enthält auch andere Empfehlungen, etwa, dass Glücksspielbehörden zur Berichterstattung über die Wirksamkeit von Initiativen zur Bekämpfung des illegalen Glücksspiels verpflichtet sein sollen. Am bedeutsamsten ist, dass die Konferenz die Behörden aufforderte, zu prüfen, wie sich der Sektor des Online-Glücksspiels regulieren ließe. Das deutet Experten zufolge darauf hin, dass Onlinecasinos in Deutschland künftig lizenziert und in vollem Umfang betrieben werden könnten.

Der Deutsche Online Casinoverband

Der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) wurde offiziell 2016 bei der Konferenz Excellence in Gaming gegründet. Er gibt iGaming-Betreibern und -Zulieferern erstmals eine Stimme und eine Plattform in der deutschen Politik und verlangt nach einer vollständigen Neukonzeptionierung der deutschen Glücksspielgesetze.

Während die Revisionen im Zweiten Länderstaatsvertrag begrüßt werden, lautet die die stärkste Kritik, dass sie nicht umfassend genug sind. Der DOCV versucht dies anzusprechen, und seine Mitglieder sind darauf vorbereitet, eine aktive Rolle beim Entwerfen von Vorschriften zu spielen und eine neue Zusammenstellung von Lizenzierungsbedingungen einzureichen. Die Organisation steht auf dem Standpunkt, dass die Frage nicht lauten sollte, ob Vorschriften umgesetzt werden oder nicht, sonder wie sie umgesetzt werden.

Künftige Entwicklung bleibt unklar

Inmitten all der Entwicklungen rund um das Glücksspielrecht in Deutschland scheint noch ungewiss, was als Nächstes geschieht. Das Potential für einen profitablen, regulierten Onlinecasino-Markt und einen besseren Sportwetten-Markt existiert, doch in welchem Maße es zur Realität wird, muss sich erst noch zeigen.