Hausbau im 3D-Druckverfahren

Jürgen Bergmann | 03 September 2018

großer 3D-Drucker; Z22Ein Hausbau ist eine aufwendige, zeitraubende und kostenintensive Angelegenheit. Baufahrzeuge müssen schwere Teile anliefern, schlechtes Wetter kann die Arbeiten verzögern, und wenn das Haus dann endlich steht, sind die Pflanzen in seiner unmittelbaren Umgebung zerstört. All diese Herausforderungen gab es bei einem Gebäude nicht, das kürzlich in Nantes in Frankreich entstanden ist. Es wurde nämlich zu großen Teilen von einem 3D-Drucker gebaut. Diese Methode ging nicht nur sehr schnell, sie sparte auch Baukosten – was sie zu einer echten Alternative für die gesamte Baubranche macht. Denn so können sich vielleicht auch Normalverdiener den Traum vom Eigenheim erfüllen, ohne dass sie einen Kredit aufnehmen oder sehr viel Glück beim Online Roulette haben müssen.

Yhnova, das erste 3D-Wohnhaus der Welt

Das weltweit erste Haus, das mithilfe eines 3D-Druckers entstanden und seit Kurzem bewohnt ist, trägt den Namen Yhnova. Gebaut wurde es im September 2017 im Rahmen der Nantes Digital Week. Die Technologie, die hinter der Fertigung steht, heißt BatiPrint3D und wurde von der Universität Nantes in Zusammenarbeit mit den Forschungsinstituten LS2N und GeM entwickelt. Ihr Kernstück ist ein vier Meter langer Roboterarm, der in der Lage ist, in 3D zu drucken. Im Einsatz tut er dies in insgesamt drei Schichten. Zwei davon bestehen aus einem Schaum, der schnell aushärtet. Diese beiden Schichten werden parallel zueinander errichtet, dazwischen platziert der 3D-Drucker Beton. Yhnova war das erste Projekt, bei dem BatiPrint3D im großen Rahmen zum Einsatz kam. Das Architektenbüro Tica plante dafür ein 95 Quadratmeter großes Haus mit vier Schlafzimmern, dessen Grundriss wie ein Ypsilon aussieht. Seine Ecken sind abgerundet, damit die Luft im Haus besser zirkulieren kann. Innerhalb von nur 54 Stunden hatte der Roboter das Fundament und die Wände errichtet. Die Pflanzen auf dem Grundstück ließ er dabei gänzlich unberührt, sodass das Haus nach Beendigung der Bauarbeiten weiterhin von einer grünen Wiese umgeben war. Nach der Fertigstellung der Wände dauerte es allerdings weitere vier Monate, bis das Haus komplett fertig war. Die Installation von Fenstern und Türen sowie den Aufbau des Daches kann BatiPrint3D noch nicht erledigen. Die Einweihung des Wohnhauses Yhnova fand im März 2018 statt, seit Juli wohnt eine fünfköpfige Familie darin.

Eine günstige Methode

Das Budget von Yhnova betrug 195.000 Euro, womit das Haus rund 20 Prozent günstiger war als vergleichbare Bauprojekte. Dabei sind in den Betrag sowohl diverse Kosten für die Entwicklung als auch für Sensoren inkludiert, die in das Haus eingebaut wurden. Diese sollen während des ersten Jahres Parameter wie die Temperatur und die Akustik im Inneren des Gebäudes messen. Auch die Stabilität des verwendeten Materials stand schon auf dem Prüfstand, bevor Yhnova überhaupt bezogen wurde. Denn eine der größten Herausforderungen bei der Herstellung eines bewohnbaren Hauses war die Auswahl eines Materials, das den Architekt mit Blaupause; Daniel McCulloughBelastungen des Alltags standhalten würde. Die Universität Nantes in Frankreich verfolgt mit BatiPrint3D das Ziel, Erkenntnisse über den Häuserbau per 3D-Drucker zu gewinnen. Angesichts der geringeren Kosten und der Bauzeit stellt die Methode eine echte Alternative zum herkömmlichen Häuserbau dar. Daher setzen auch weitere Start-ups darauf, Gebäude im 3D-Druckverfahren entstehen zu lassen. So ist das US-amerikanische Unternehmen ICON in der Lage, in lediglich 24 Stunden ein einstöckiges Haus mit einer Grundfläche von 60 Quadratmetern zu bauen. Die Kosten dafür betragen derzeit etwa 8.200 Euro, wobei ICON in Aussicht stellt, dass sie auf nur 3.200 Euro gesenkt werden sollen. Deshalb soll die Technologie vor allem zum Einsatz kommen, um armen Menschen eine leistbare Behausung zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund plant das Unternehmen, im kommenden Jahr 100 Häuser in El Salvador zu errichten. Auch mit BatiPrint3D sollen demnächst weitere Bauprojekte realisiert werden. Im Norden von Paris sind sowohl 18 Wohnhäuser als auch ein Geschäftsgebäude geplant. Doch so erfreulich die Ersparnis an Zeit und Geld beim Hausbau per 3D-Drucker auch ist: Viele Bauarbeiter würde die Technologie den Job kosten.

Quellen:

https://www.golem.de/news/yhnova-3d-drucker-baut-energieeffizientes-haus-1804-133802.html
https://3druck.com/nachrichten/erstes-3d-gedrucktes-haus-in-frankreich-wird-bezogen-3271953/
https://interestingengineering.com/a-family-in-france-becomes-the-worlds-first-to-live-in-a-3d-printed-house
https://www.3d-grenzenlos.de/magazin/zukunft-visionen/icon-baut-haus-mit-3d-drucker-unter-24-stunden-27365293/