Extreme Fälle von Geldwäsche

Jürgen Bergmann | 05 April 2018

Geldwäsche Als Geldwäsche bezeichnet man Aktivitäten, die unternommen werden, um die Herkunft illegal erworbener Gelder zu verschleiern. Die gebräuchlichste Vorgehensweise besteht in Geldtransfers, in die Banken und Unternehmen involviert sind, obwohl derartige Vorgänge theoretisch bei jeder Einrichtung, die mit Geld umgeht, vorkommen können.

In der Vergangenheit waren Casinos bevorzugte Ziele für Geldwäscher, und bei Online-Casinos setzt sich dieser Trend nun fort. Dieses Problem zu lösen, ist eines der Hauptziele aller Glücksspielregulierungsbehörden, einschließlich der Malta Gaming Authority und der United Kingdom Gambling Commission, und ein weiterer Grund für Spieler, sich immer zu vergewissern, dass sie ein lizenziertes, reguliertes Online-Casino nutzen.

Obwohl immer mehr Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche ergriffen werden, floriert sie weiterhin. Im Zuge der technologischen Verbesserung und Verfeinerung entwickeln sich auch die Aktivitäten von Geldwäschern und anderen Kriminellen weiter. Es gab jedoch immer schon besonders erstaunliche Geschichten über Geldwäscheaktivitäten, die das übliche Ausmaß überstiegen. Alte Geschichten, die schon Jahre zurückliegen, und Ereignisse, die sich erst vor kurzer Zeit abspielten, sind gleichermaßen heftig. Um diesen Punkt zu veranschaulichen, präsentieren wir Ihnen im Folgenden nur zwei von vielen bekannten Fällen, wobei einer vor fast 40 Jahren stattfand und der andere aus jüngster Vergangenheit stammt.

Die Bank of Credit and Commerce International

Die Bank of Credit and Commerce International (BCCI) wurde Mitte der 1980er-Jahre zur Geldwäsche und zur Verübung eines Finanzbetrugs in Höhe von geschätzten 17,6 Milliarden Pfund Sterling (20 Milliarden Euro) genutzt. Weil die Bank häufig auf Drogen- und Waffendealer sowie illegale Geldgeber einging, wurde sie von Nachrichten- und Polizeibeamten mit dem Spitznamen „Bank of Crooks and Criminals“ versehen.

Die BCCI unterhielt Beziehungen zu Beamten in vielen verschiedenen Ländern, die von völlig legitimen bis zu ernsthaft kriminellen Kontakten reichten. 1988 wurde vom US-Senat ein Unterkomitee ernannt, um die Geldwäscheaktivitäten der Bank zu untersuchen. Zwei Jahre später bekannte sich die BCCI schuldig und erhielt eine Geldstrafe von 11,3 Millionen Pfund (12,9 Millionen Euro).

Die Bank of England wurde im Jahr 1991 darin verwickelt und ordnete eine Untersuchung der BCCI durch Price Waterhouse an. Die Untersuchung erbrachte „Beweise für massiven und weitreichenden Betrug“, der sich über mehrere Jahre erstreckte. Letztendlich wurde festgestellt, dass sich unter den angewendeten Methoden auch Geheimhaltungsrefugien und Briefkastenfirmen befanden, ebenso wie Bestechungsgelder, Schmiergelder und Insider, die das Aktivwerden der Regierung verhinderten.

Einen Monat nach der Untersuchung von Price Waterhouse schlossen internationale Aufsichtsbehörden die BCCI, die ihren Gläubigern immer noch mehr als 10 Milliarden Pfund (11,4 Milliarden Euro) schuldete. Der Fall wird als einer der Auslöser dafür angesehen, dass Gordon Brown die Bankenaufsicht 1997 von der Bank of England an die Financial Services Authority übertragen hat, als er Finanzminister des Vereinigten Königreichs wurde.

Die Wachovia-Bank

Wachovia gehört heute zu Wells Fargo, war aber 2005 noch unabhängig und zählte zu den größten Banken in Nordamerika. In dem Jahr wurde von der Drug Enforcement Agency (DEA) des Landes eine Untersuchung eingeleitet und dabei kam heraus, dass die Bank für umfangreiche Geldwäscheaktivitäten in Verbindung mit dem Verkauf von Betäubungsmitteln missbraucht wurde.

Mexikanische Kartelle verkauften illegale Drogen in den Vereinigten Staaten und schmuggelten dann die US-Dollar, die sie erhielten, über die Grenze. In Mexiko wurde das Geld in die Hände bezahlter Geldwechsler übergeben, die es auf ihren Konten in Mexiko deponierten. Bei diesen Institutionen wurden die gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten, wodurch der Vorgang vereinfacht wurde, die illegalen Einkünfte in den legalen Finanzsektor einzuspeisen.

Von den mexikanischen Konten wurden die Mittel auf amerikanische Wachovia-Konten zurücküberwiesen. Auch hier wurde der Ursprung des Geldes nicht überprüft, und das restliche Geld wurde über Wachovias Massenzahlungsdienst in die Vereinigten Staaten zurückgeschickt. Mit den von der Bank zur Verfügung gestellten Möglichkeiten gelang es den Verbrechern, illegale Geldmittel in einen legalen Rahmen zu überführen und dann wieder in ihr Herkunftsland zu bringen.

Nach der Untersuchung wurde der bisher größte Einschnitt beim Bankgeheimnisgesetz vorgenommen, und Wachovia zahlte für das Verbrechen, es versäumt zu haben, ein adäquates Programm zur Bekämpfung der Geldwäsche einzurichten und dann die Überweisung von fast 300 Milliarden Dollar (243 Milliarden Euro) auf amerikanische Konten zugelassen zu haben, weit über 100 Millionen US-Dollar Strafe (81 Millionen Euro) an die amerikanischen Bundesbehörden.

Der gewaschene Geldbetrag enthielt mehrere Millionen, die für den Kauf von Flugzeugen für den Drogenhandel investiert wurden, indem das Geld durch Korrespondenzkonten bei Wachovia geschleust wurde. Über 20.000 kg Kokain wurden aus den Flugzeugen beschlagnahmt; das Ausmaß der kriminellen Aktivitäten ist kaum zu überbieten. Die Tatsache, dass Wachovia 2010 in der Lage war, einen Aufschub der Strafverfolgung durchzusetzen und den Skandal zu überleben, wird von einigen als eine Farce und von anderen als ein Wunder angesehen.

Quellen:

https://www.theguardian.com/society/2018/jan/05/five-of-uk-online-casinos-may-lose-licence-over-money-laundering-fears
https://www.burges-salmon.com/news-and-insight/legal-updates/casinos-and-money-laundering-five-things-you-need-to-know/
https://www.int-comp.com/ict-views/posts/2016/07/22/top-5-money-laundering-cases-of-the-last-30-years/
https://www.globalradar.com/the-top-10-anti-money-laundering-stories-in-2017-year-end-review/