Republik Moldau schafft Glücksspielmonopol ab

Jürgen Bergmann | 14 Mai 2018

Moldau schafft Glücksspielmonopol abWeniger als zwei Jahre nach dem Verbot aller nicht-staatlichen Glücksspiel- und Casino-Betriebe hat die Republik Moldau eine Kehrtwende vollzogen. Das Land hat angekündigt, das Monopolsystem vollständig abzuschaffen. Laut der lokalen Nachrichtenagentur Balkan Insight hat die moldauische Regierung Vereinbarungen mit zwei Unternehmen der Europäischen Union unterzeichnet, um eine Public-Private-Partnership zu bilden. Diese Partnerschaft soll das derzeitige Monopol der Public Property Agency (APP) des Landes ersetzen.

Die beiden privaten Betreiber Novo Gaming M Technologies GmbH und NGM SPC Limited sind nun gemeinsam mit dem moldauischen Staat für die Verwaltung der Casino-, Lotterie- und Wettgeschäfte des Landes zuständig. Die Partnerschaft kam jedoch nicht billig zustande: Die Betreiber müssen einen Großteil ihrer Gewinne an den Staat abführen.

Zwei neue private Akteure

Die Novo Gaming M Technologies GmbH, eine Tochtergesellschaft eines österreichischen Glücksspielkonzerns, wird gemeinsam mit dem Staat den moldauischen Bürgern Casinospiele anbieten. Unter der Führung des österreichischen Milliardärs Johann Graf kann Novo Gaming bereits auf eine enorme internationale Präsenz zurückblicken. Moldau wird damit zu eines der 45 Länder, in denen Novo Gaming operativ tätig ist – und zu einem der 70 Staaten, in die es Spielautomaten liefert.

Das Lotterie- und Sportwettengeschäft wird unterdessen Aufgabe des Mega-Glücksspiel-Konglomerats NGM SPC Limited sein, das aus NGM SPC Ltd, National Lottery AD und Market AD besteht. Die in Bulgarien lizenzierte Glückspielgruppe National Lottery AD ist derzeit der dort größte Glücksspielanbieter. Sie ist auch der führende Anbieter im beliebten bulgarischen Rubbellosmarkt, der im Jahr 2016 320 Millionen BGN erwirtschaftete.

Die National Lottery AD wurde im Übrigen auch mehrfach von Skandalen heimgesucht: Ihr Besitzer, einer der reichsten Geschäftsleute Bulgariens, Vasil Bozhkov, wurde wiederholt mit der örtlichen Mafia in der früheren Sowjetrepublik in Verbindung gebracht.

Aufteilung der Glücksspieleinnahmen

Die Aufteilung der Einnahmen innerhalb der neuen Glücksspielpartnerschaft der Republik Moldau neigt beträchtlich zu Gunsten des Staates, der den größten Teil der Gewinne für alle Glücksspielaktivitäten im Land beanspruchen wird. Konkret gehen 90 % der Einnahmen aus Sportwetten und 51 % der Einnahmen aus Spielautomaten an die Nationallotterie von Moldau. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Prozentsatz, den der Staat in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel im benachbarten Rumänien einnimmt, wo ähnliche Public-Private-Partnerships bestehen.

Moldaus ehemaliges Vorgehen gegen Glücksspiel

Angesichts der rapide zunehmenden Fälle von Spielsucht unter der moldauischen Bevölkerung hat der Führer der Regierungspartei, Vlad Plahotniuc, im Juni 2016 ein intensives Vorgehen gegen illegale Casinos eingeleitet. Im Dezember desselben Jahres wurde ein neues Gesetz verabschiedet, nach dem nur ein einziges staatliches Unternehmen in der Republik Moldau Glücksspiele anbieten durfte.

Der Schritt des Staates, dies rückgängig zu machen, entspricht dem allgemeinen globalen Trend zur Liberalisierung der Glücksspielmärkte. Ziel ist es, Gewinne in die entsprechenden Volkswirtschaften zu lenken.

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