Fortschrittliche Sportkleidung

Jürgen Bergmann | 25 Mai 2018

Technology and ClothingTechnologie begleitet uns in allen Lebenslagen. Seien es Smartphones, Smartwatches, Online-Spiele oder Musik- und Video-Streaming – technische Errungenschaften unterhalten uns und machen uns oftmals das Leben leichter. Und so langsam halten sie auch in die Kleidungsindustrie Einzug. Die Möglichkeit, winzige Bauteile in ein Kleidungsstück zu integrieren, hat dank der Nanotechnologie bereits große Fortschritte gemacht. Erkennbarer Vorreiter ist dabei der Bereich von Sport und Fitness. Schon seit einer Weile gibt es Chips, die in Laufschuhe eingebaut sind und Daten wie Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke messen. Auch T-Shirts, die die Körpertemperatur und den Puls seines Trägers ermitteln, klingen längst nicht mehr nach Zukunftsmusik. Verschiedene Unternehmen vertreiben schon heute Shirts, die nicht nur Schweiß abweisen, sondern auch dafür sorgen, dass der Körper seines Trägers nach dem Sport nicht danach riecht. Zwar ist die Anzahl der verkauften Produkte dieser Art noch nicht signifikant hoch, allerdings steigt ihr Anteil unaufhaltsam.

Ein unschlagbarer Schwimmanzug

Schon vor einigen Jahren kam es im Schwimmsport zu einer Revolution: Speedo brachte Anfang 2008 den Schwimmanzug LZR Racer auf den Markt, der Schwimmer merklich schneller machte. Verantwortlich dafür war zum einen das Material, aus dem er bestand: Die Kombination von Elastan-Nylon und Polyurethan erzeugte weniger Reibung im Wasser. Zum anderen sorgte der Schnitt des Anzugs für eine Kompression, die den Körper stromlinienförmiger machte. Allein im März 2008 brachen Sportler in den neuen Anzügen 13 Weltrekorde. Der US-Amerikaner Michael Phelps gewann sieben seiner acht Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2008 im LZR Racer. Weil viele Beobachter den Anzug als „technologisches Doping“ betrachteten, wurde er ab Anfang 2010 vom Schwimm-Weltverband verboten. Seitdem ist klar vorgeschrieben, aus welchem Material ein Schwimmanzug bestehen und welche Körperteile er nicht bedecken darf.

Technologie im Jacken​ärmel

Wie ein alltägliches Kleidungsstück zukünftig aussehen kann, hat Google vor kurzem mit seinem Project Jaquard gezeigt. Zusammen mit Levi’s hat der Tech-Riese im September 2017 eine Jeansjacke auf den Markt gebracht, mit der ein Smartphone gesteuert werden kann. Berührt man den linken Ärmel auf eine bestimmte Art und Weise, kann man damit Befehle an das Telefon senden. So lässt sich etwa beim Musikhören ein Lied überspringen oder einen Anruf wegdrücken – ohne das Smartphone dafür aus der Tasche nehmen zu müssen. Möglich machen dies leitende Fasern, die in den Stoff am Ärmel eingewoben sind. Der Nutzer kann sogar die Befehle, die er per Ärmel an sein Mobiltelefon schickt, selbst konfigurieren und so die Funktionen der Jacke auf seinen eigenen Bedarf abstimmen.

Kleidung aus dem 3D-Drucker

Eine Technologie, die mit Sicherheit bald eine wichtige Rolle in der Bekleidungsindustrie spielen wird, ist der 3D-Druck. Die Entstehung eines Kleidungsstücks ist seit der Etablierung der Massenproduktion im Wesentlichen gleich geblieben: Ein großes Unternehmen gestaltet das Produkt und lässt es in riesigen Stückzahlen und einigen wenigen Größen herstellen. Mit der Einbeziehung des 3D-Drucks könnte sich dieser Prozess grundlegend verändern. Als Kunde müsste man dann nicht mehr zur Kleidung von der Stange greifen, sondern könnte sich ein Stück buchstäblich auf den Leib schneidern lassen – und das binnen weniger Minuten. Der Verkäufer müsste nur einmal die exakten Körpermaße nehmen und könnte diese Werte bei künftigen Besuchen seines Kunden immer wieder verwenden. Selbst das Designen eines Kleidungsstücks nach den eigenen Vorstellungen könnte so zu einem ganz normalen Vorgang werden. Beobachtern zufolge hängt diese Entwicklung lediglich davon ab, wie schnell 3D-Drucker in Zukunft ihre Aufgaben erledigen.